Elektromobilität in der Landwirtschaft
Die Elektromobilität gewinnt in der Landwirtschaft zunehmend an Bedeutung. Dabei geht es übergeordnet um die Dekarbonisierung der Branche und nicht vorranging um die alleinige Elektrifizierung des Antriebsstranges durch einen kompletten Umstieg auf reine Elektro-Antriebe. Trotz der hohen Relevanz bei einer landwirtschaftlichen Nutzung von 62% der Fläche in Schleswig-Holstein, dominieren in Deutschland weiterhin dieselbetriebene Landmaschinen (Quelle schleswig-holstein.de - Agrarstatistik). Der KTBL-Bericht (Quelle Kraftstoffnutzung.pdf) zur Kraftstoffnutzung zeigt, dass 7,5 % der gesamten landwirtschaftlichen Treibhausgasemissionen auf die Verbrennung von Dieselkraftstoff zurückzuführen sind. Die Maschinen im Agrarsektor sind so vielfältig wie die landwirtschaftlichen Arbeiten und reichen von Feldarbeiten beim Ackerbau sowie Obst- und Weinbau über Transport bis zu Tierhaltung.
In Deutschland ist der Einsatz von Elektrofahrzeugen in der Landwirtschaft noch gering. Elektrische Antriebe bieten jedoch viele Chancen:
- Reduktion von Emissionen und Verbesserung der CO2-Bilanz
- Senkung des Energiebedarfs für mobile Landmaschinen um bis zu 1/3 durch die geringeren Verluste im Vergleich zu verbrennungsmotorischen Antrieben Quelle: KTBL Kuratorium für Technik und Bauwesen in der Landwirtschaft e.V. )
- Verringerung der Lärm- und Abgasemissionen
- Erhöhung der Energieunabhängigkeit bei Nutzung von Energie aus eigener PV- oder Biogasanlage
- Daher ist gerade für hofnahe Arbeiten z.B. Stallgebäude und auf dem Betriebsgelände sowie bei Traktoren bis etwa 100 PS Leistung der Elektroantrieb zunehmend als interessante Alternative zum Dieselmotor anzusehen.
Demgegenüber stehen einige Herausforderungen
- Vergleichsweise hohe Anschaffungskosten
- Begrenzte Reichweite und Leistungsfähigkeit für schwere Arbeiten auf, die eine hohe Antriebsleistung und damit einen hohen Energiebedarf aufweisen, wie beispielsweise die Bodenbearbeitung und die Ernte
- Bei Landmaschinen mit höherer Leistung ist ein Elektroantrieb durch das Gewicht der Batterien und die langen Ladezeiten derzeit noch nicht praktikabel.
Prognose
Der Umstieg auf elektrische landwirtschaftliche Maschinen verläuft langsam. Dennoch steigt das Angebot an elektrischen Traktoren, Hofladern und Spezialfahrzeugen kontinuierlich. Folglich ist in den nächsten Jahren mit einer starken Weiterentwicklung zu rechnen. Nach Einschätzung des KTBLs könnten bis 2045 vor allem Maschinen für leichte Arbeiten sowie teilweise für schwere Einsätze überwiegend elektrisch betrieben werden(Quelle Verwendung erneuerbarer Antriebsenergien in landwirtschaftlichen Maschinen).
Fahrzeugübersicht
Eine gute Übersicht gibt eine Marktrecherche des Bayerische Technologie- und Förderzentrums im Kompetenzzentrum für Nachwachsende Rohstoffe (TFZ). Hier werden neben der Modellübersicht auch Maschinenleistung und Arbeitsdauer berücksichtigt. In der Liste sind neben E-Traktoren elektrifizierte Hoflader, Teleskoplader oder Futtermischwagen aufgeführt:
251217_tfz_marktrecherche_e-traktoren_version_1.xlsx
Zudem sind folgende Start-Ups für elektrisch angetriebene Traktoren zu nennen, die auf Batteriewechselsysteme setzen:
Laden von Landfahrzeugen
Typische Ladeszenarien sind das AC- Laden im Depot (über Nacht) sowie das DC-Laden während der Arbeitspausen. Auch mobile Ladelösungen könnten zukünftig an Bedeutung gewinnen.
Hier finden Sie weiterführende Informationen:
- TH Lübeck: Modellszenarien für eine post-fossile Landwirtschaft in Schleswig-Holstein
- Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung: TrAkzeptanz: Das Projekt
- IÖW: Einsatz von E-Traktoren in der Landwirtschaft – Eine Kosten- und Umweltanalyse
- Kuratorium für Technik und Bauwesen in der Landwirtschaft e.V.: KTBL.de: Alternative Energieträger
- Praxisbeispiel: Elektro-Hoflader, E-Traktoren und HVO-Schlepper im Praxis-Einsatz: Landwirtschaftskammer Niedersachsen
- Landwirtschaftliche Rentenbank (Förderung): Markteinführung alternativer Antriebstechnologien - Rentenbank
